Wann sind depressive Verstimmungen häufig?
Aktualisiert (15. Juli 2010)
Dezember 2009 — Deutsches Ärzteblatt PP
Urlaub, Wochenende, Feiertage – darauf freuen sich viele Menschen. Freie Zeit sinnvoll zu nutzen oder zu genießen gelingt jedoch nicht jedem. Ein Grund dafür ist, dass sich ungelöste Probleme im Alltag relativ einfach verdrängen oder negieren lassen. An freien Tagen kann man sich jedoch kaum aus dem Weg gehen, sodass eine Konfrontation unvermeidlich wird. Der Urlaubsblues ist umso stärker, je größer die Vorfreude und die Erwartungen an den Urlaub waren.
Enttäuschte Erwartungen spielen vermutlich auch bei der Häufung von Suiziden an bestimmten Wochentagen, Feiertagen und Jahreszeiten eine Rolle. Als Erklärung wird häufig der „Gebrochenes-Versprechen-Effekt“ herangezogen, den der US-amerikanischen Soziologe Howard Gabennesch entdeckt hat. Danach hoffen Menschen, die leiden und mit ihrem Leben unzufrieden sind, dass ihr Leben durch ein angenehmes, freudig erwartetes Ereignis, wie zum Beispiel Feiertage, Wochenenden oder Beginn der warmen Jahreszeit, eine positive Wendung erfährt. Tritt dies nicht ein, wird das angebliche „Versprechen“ auf bessere Zeiten in den Augen der Betroffenen gebrochen.
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Meine Meinung: Die Ansicht, dass es Winterdepressionen aufgrund der „dunklen Jahreszeit“ gibt oder Frühjahrsdepressionen usw. ist weit verbreitet, aber m.E. nicht belegbar. Im o.g. Beitrag werden Zusammenhänge beschrieben, die ich aufgrund eigener Erfahrungen bestätige: Weihnachten ist hoch emotionsgeladen, die Kindheit wird erinnert, die Erwartungen an etwas überaus Positives sind hoch. Und je höher sie sind, desto wahrscheinlicher ist, dass sie sich nicht erfüllen werden. Ein Mensch mit geringer Frustrationstoleranz kann mit der dann eintretenden Enttäuschung nicht umgehen und gerät leicht in depressive Stimmungen. Diese können so stark sein, dass sogar Suizid-Gefahr entsteht.
Je früher die Betroffenen „psychische Gesundheitsvorsorge“ betreiben und der Ursache auf den Grund gehen, warum sie z.B. so sehr hohe Erwartungen an einen Festtag, an einen Urlaub usw. stellen und warum sie Enttäuschungen so schlecht verarbeiten können, um so besser können sie solche Stimmungstiefs vermeiden. Im Rahmen meines Projekts gesSso finden sich zahlreiche Angebote zur „psychischen Gesundheitsvorsorge“, um krankhafte Entwicklungen rechtzeitig zu verhindern.
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