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Depressionen - Männer suchen keine Hilfe

Aktualisiert (15. Juli 2010)

April 2010 — Deutsches Ärzteblatt PP
Wie gehen Männer mit Depressionen um? Dieser Frage sind Psychologen der University of Iowa, USA, anhand von Tiefeninterviews mit 15 betroffenen Männern nachgegangen. Obwohl die Studie nicht repräsentativ ist, zeigten sich einige typische Verhaltensmuster. Beispielsweise verschweigen, verheimlichen oder überspielen Männer es in der Regel, wenn es ihnen schlecht geht, und sie suchen keine Hilfe. Sie haben Angst, als Schwächlinge zu gelten und ausgegrenzt oder benachteiligt zu werden.
Stattdessen versuchen sie, sich selbst zu „therapieren“: Sie betäuben sich durch Medikamente, Drogen, Alkohol und andere Suchtmittel, lenken sich durch Arbeit, Sexualität, Medien oder Sport ab, leben aggressive oder kriminelle Impulse aus, ziehen sich zurück, vermeiden Kontakte, verlieren an allem das Interesse oder wählen den Freitod.

Aus Scham und Angst vor Stigmatisierung gelingt es nur wenigen, konstruktive Strategien im Umgang mit Depressionen anzuwenden und sich soziale Unterstützung oder professionelle Hilfe zu suchen. Genau das sollten betroffene Männer aber nach Meinung der Psychologen versuchen. Sie empfehlen depressiven Männern, offen zu sein, Gefühle zu zeigen, Schwächen zuzugeben und ihre Erkrankung nicht länger zu tabuisieren.

Den gesamten Artikel hier als PDF-Dokument.

Meine Meinung: Die hier geäußerte Ansicht, Männer suchten zu wenig Hilfe, bestätige ich aus meiner eigenen Erfahrung. Schon während meiner Aktivität in verschiedenen Selbsthilfegruppen fiel mir auf, wie wenig Männer dort teilnahmen. Als ich vor einigen Jahren selbst als Patient in einer psychosomatischen Klinik war, fand ich nur in der Akut-Abteilung einen höheren Anteil von Männern. In der Reha-Abteilung gab es Gruppen mit über 95% Frauen! Gleiches beobachte ich zurzeit bei meinem Projekt gesSso: Die meisten Anfragen erhalte ich von Frauen.

Wenn ich dagegen betrachte, unter wie massiven Belastungen gerade Männer heutzutage stehen, findet sich die Erklärung in der oben angeführten Studie. Ich biete deshalb extra einen Workshop als »Männergruppe« an und hoffe, dass er trotz aller Bedenken der Interessenten angenommen wird!