Arbeitslosigkeit macht krank
Aktualisiert (15. Juli 2010)
15. Februar 2010 — Deutsches Ärzteblatt
Berlin – Die gesundheitlichen Schäden durch jahrelange Arbeitslosigkeit sind nach einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) deutlich größer als bislang angenommen. Jeder fünfte bis sechste Erwerbslose müsse gesundheitliche Einschränkungen hinnehmen, sagte der DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy. Allein in den ersten elf Monaten 2009 hätten sich nach Angaben der Arbeitsagenturen 1,7 Millionen Arbeitslose krank gemeldet, sagte Adamy weiter. Das seien rund 13 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Vor allem bei psychischen Störungen liegt die Krankheitsdauer demnach um das vierfache höher als bei pflichtversichert Beschäftigten. Die Erwerbslosen sei die Gruppe mit dem stärksten Anstieg der psychisch bedingten Krankheitstage. Mehr als jedem siebten Arbeitslosengeldempfänger würden inzwischen Psychopharmaka verordnet". Die Lebensgestaltung mit immer geringeren finanziellen Mitteln und die Verarbeitung von Misserfolgen bei Bewerbungen wirkten sich ungünstig auf sie psychische Gesundheit von Langzeitarbeitslosen aus.
Meine Meinung: In meinem Focus-Beitrag habe ich zur Problematik von Arbeitslosigkeit Stellung bezogen und die destruktiven psychischen Mechanismen beschrieben, die nicht nur bei Arbeitslosigkeit, sondern generell in unserer Gesellschaft wirksam sind. Wir müssen alle begreifen, dass das System, in dem wir leben, so bankrott ist, dass wir uns zunehmend auf uns selbst verlassen müssen. Angesichts leerer Kassen wird auch aus dem Gesundheitssystem kaum spezielle Hilfe für Arbeitslose zu erwarten sein.
Um so wichtiger ist es, sich nicht hängen zu lassen, sondern aktiv etwas für die eigene psychische Stabilität zu tun, möglichst lange bevor es zu einer Erkrankung kommen kann. Ich bezeichne dies als psychische Gesundheitsvorsorge. In meinen Angeboten hierzu können Sie lernen, mit den gegenwärtigen Belastungen besser umzugehen, denn niemand hat uns dies zuvor beigebracht.
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